Brennnesseljauche zur Pflanzenstärkung und Schädlingsabwehr

Verwendung

Brennnesseljauche, ein bewährtes, biologisches Mittel zur Pflanzenstärkung und Schädlingsabwehr ist. Sie enthält viele wichtige Nährstoffe wie Stickstoff, Kalium, Eisen und verschiedene Spurenelemente, die besonders in der Wachstumsphase von Pflanzen wichtig sind. Die Herstellung ist einfach: Man übergießt frische Brennnesseln mit Wasser und lässt sie unter regelmäßigem Umrühren zwei bis drei Wochen vergären. Der dabei entstehende Geruch ist zwar intensiv, aber der Nutzen überwiegt.

Zur Schädlingsabwehr

Frisch angesetzte, nicht vollständig vergorene Brennnesseljauche kann auch als biologisches Spritzmittel eingesetzt werden.


Als stickstoffreichen Flüssigdünger

Brennnesseljauche ist ein hervorragender organischer Dünger mit hohem Stickstoffgehalt – ideal zur Förderung des vegetativen Wachstums.

Nicht bei blühenden Pflanzen oder empfindlichen Kräutern anwenden, da ein Übermaß an Stickstoff dort zu weichem Wachstum und Aromaverlust führen kann.


Als Kompostbeschleuniger

Ein Schuss Brennnesseljauche auf den Komposthaufen kann wahre Wunder wirken.

Schädlingsabwehr

Wenn ich Brennnesseljauche gezielt zur Schädlingsabwehr einsetzen will – etwa gegen Blattläuse, Spinnmilben oder andere saugende Insekten – verwende ich nicht die vergorene Jauche, wie man sie als Dünger kennt, sondern einen sogenannten Brennnessel-Kaltwasserauszug oder eine schwach angegorene Lösung. Diese enthält noch die meisten der insektizid und abwehrend wirkenden Inhaltsstoffe (z. B. Ameisensäure, Kieselsäure und Flavonoide), die in der vollständigen Gärung oft verloren gehen.

Vorgehensweise von der Ernte bis zum Auftragen:

1. Ernte

2. Ansetzen (Kaltauszug oder 1-Tages-Gärung)

3. Filtern

4. Verdünnen

5. Anwendung

Aus analytischer Sicht ist der Einsatz von Brennnesselauszug zur Schädlingsabwehr eine niederschwellige, ökologische Maßnahme mit begrenztem, aber relevantem Nutzen. Die enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe wirken nicht direkt toxisch auf Schädlinge, sondern stören deren Ansiedlung und Fressverhalten. Vor allem bei frischem Befall kann das Mittel eine effektive Sofortmaßnahme darstellen.

Vorteile:

Grenzen:

Flüssigdünger

Als Flüssigdünger verwende ich fertig vergorene Brennnesseljauche, weil sie ein starker, rein pflanzlicher Stickstofflieferant ist und meine Pflanzen kräftig wachsen lässt. Ich trage sie meist alle 1–2 Wochen auf – besonders bei stark zehrenden Pflanzen wie Tomaten, Zucchini, Kürbis oder Kohl. Der große Vorteil: Sie enthält nicht nur Hauptnährstoffe, sondern auch sekundäre Pflanzenstoffe und Spurenelemente, die im Boden oft fehlen oder schnell ausgewaschen werden.

Wenn ich Brennnesseljauche als vollständig vergorenen Flüssigdünger herstellen möchte, lasse ich sie in der Regel zwischen 10 und 21 Tagen gären – je nach Temperatur und Witterung. In der Hauptsaison (Mai bis August) geht es oft schneller, weil die Mikroorganismen bei Wärme (über 20 °C) sehr aktiv sind.

Ich rühre den Sud einmal täglich um, damit Sauerstoff eingebracht wird und der Gärprozess gleichmäßig verläuft.

Die Jauche fertig ist, wenn:

Die Gärung verläuft in mehreren mikrobiologischen Stufen:

  1. Startphase (1–3 Tage): Abbau einfacher Zucker, Schaumbildung.

  2. Hauptgärung (4–10 Tage): Intensive Gasentwicklung, starker Geruch.

  3. Endphase (ab Tag 10): Nachlassen der Bläschen, Nährstoffe liegen pflanzenverfügbar vor.

Ein zu kurzes Ansetzen (unter 7 Tagen) kann dazu führen, dass Stickstoff noch nicht ausreichend umgesetzt ist – es besteht Verbrennungsgefahr für Pflanzen. Ein zu langes Stehenlassen (>4 Wochen) kann zur Übergärung führen, mit Stickstoffverlust durch Ausgasung (Ammoniak) und Schimmelrisiko.

Anwendung

Verdünne sie im Verhältnis 1:10 mit Wasser (also z. B. 1 Liter Jauche auf 10 Liter Wasser) und gieße damit direkt an den Wurzelbereich.

Bei empfindlichen Pflanzen wie Salat oder jungen Setzlingen nehme ich auch mal 1:15 oder 1:20. Auf die Blätter gieße ich sie nicht, weil das zu Verbrennungen führen kann.

Inhaltsstoffe und Nährwerte (je nach Konzentration und Pflanze leicht variabel):

Die genaue Zusammensetzung schwankt, aber folgende Werte sind typisch pro Liter unverdünnter Jauche:

Nährstoff Menge (ca.) Funktion für Pflanzen
Stickstoff (N) 0,4 – 0,6 % Aufbau von Blattmasse, Eiweißen, Chlorophyll
Kalium (K) 0,3 – 0,5 % Blütenbildung, Fruchtreife, Wasserhaushalt
Calcium (Ca) 0,02 – 0,04 % Zellwandstabilität, Wurzelbildung
Magnesium (Mg) 0,01 – 0,03 % Bestandteil von Chlorophyll
Eisen (Fe) Spurenelemente Bildung von Enzymen und Chlorophyll
Kieselsäure (SiO₂) in relevanter Menge Stärkt Zellwände, reduziert Schädlingsdruck
Gerbstoffe & Flavonoide biologisch wirksam Antioxidativ, stärken pflanzliche Abwehrkräfte

In professionellen Analysen zeigt sich:

Je nach Standort der Brennnesseln (Bodenqualität, Alter der Pflanzen) variiert die Nährstoffkonzentration leicht. Die Jauche enthält kaum Phosphor (P), was bei Fruchtbildung wichtig wäre – daher kombiniere ich sie manchmal mit phosphorhaltigen organischen Düngern wie Kompost oder Gesteinsmehl.

Als Flüssigdünger bietet Brennnesseljauche einen hochwirksamen organischen Stickstoffschub, vergleichbar mit verdünntem Gülle- oder Hornmehltee – jedoch mit natürlicher Herkunft und guter Umweltverträglichkeit. Der hohe Kaliumgehalt unterstützt zusätzlich die Entwicklung von Blüten und Früchten, wenn auch die fehlende Phosphorkomponente eine Limitierung darstellt.

Kritische Aspekte:

Lagerung

Lagerung des Kaltwasserauszugs:

Wenn ich einen nicht vergorenen Brennnesselauszug (für die Schädlingsabwehr) ansetze, plane ich ihn immer so, dass ich ihn innerhalb von 1 bis maximal 2 Tagen vollständig verbrauche. Denn dieser Kaltwasserauszug ist nicht haltbar – die bioaktiven Stoffe wie Ameisensäure, Kieselsäure oder Gerbstoffe bauen sich schnell ab. Nach 48 Stunden beginnt meist schon die mikrobielle Gärung, wodurch sich die chemische Zusammensetzung verändert – aus einem Pflanzenschutzmittel wird dann ein Dünger, aber kein wirkungsvolles Insektenschutzmittel mehr.

Lagerung der vergorenen Brennnesseljauche:

Wenn ich hingegen eine klassisch vergorene Brennnesseljauche (zur Düngung) ansetze, kann ich sie deutlich länger aufbewahren – mehrere Wochen bis Monate, wenn ich folgende Bedingungen beachte:

Ich fülle sie gern in Kanister oder gut verschlossene Eimer. Der intensive Geruch bleibt erhalten, aber das ist normal.


Revision #9
Created 2025-05-22 05:45:54 UTC by Admin
Updated 2025-05-22 09:59:58 UTC by Admin